Kurz zusammengefasst
Zigarrenrauchen folgt ungeschriebenen, aber weithin anerkannten Regeln: Man raucht dort, wo es ausdrücklich erlaubt oder üblich ist (draußen, in Raucherlounges, im eigenen Zuhause), fragt in fremder Umgebung vorher nach, bietet in geselliger Runde eine Zigarre an, statt sie einfach anzuzünden, und behandelt die Asche sowie den Stummel mit Sorgfalt. Wer diese Grundregeln kennt, vermeidet die häufigsten Fettnäpfchen.
Wo darf man Zigarre rauchen?
Rechtlich gilt in Deutschland grundsätzlich das Nichtraucherschutzgesetz – in geschlossenen öffentlichen Räumen, Gaststätten und am Arbeitsplatz ist Rauchen meist untersagt oder auf ausgewiesene Bereiche beschränkt. Für Zigarren gelten dabei keine Ausnahmen gegenüber Zigaretten. Erlaubt ist das Rauchen typischerweise:
- Im Freien, sofern kein explizites Rauchverbot besteht (z. B. auf Spielplätzen oder in unmittelbarer Nähe von Eingängen).
- In speziellen Zigarrenlounges oder Raucherclubs, die genau für diesen Zweck eingerichtet sind.
- Im privaten Zuhause, idealerweise mit guter Belüftung oder auf Balkon/Terrasse, aus Rücksicht auf Mitbewohner und Nachbarn.
In fremden Wohnungen, Gärten oder auf privaten Feiern gilt: immer vorher fragen. Auch wenn der Gastgeber selbst raucht, sollte man nicht automatisch davon ausgehen, dass es für Gäste ebenso gilt.
Zigarren im geselligen Rahmen: Anbieten und Teilen
Bei geselligen Anlässen ist es üblich, eine Zigarre aktiv anzubieten, statt einfach loszurauchen – ähnlich wie beim Anstoßen mit einem guten Wein. Wer eine Kiste öffnet, reicht sie idealerweise reihum, bevor die eigene Zigarre angezündet wird. Auch das gemeinsame Anzünden im Kreis mehrerer Raucher – etwa reihum mit einem Streichholz oder Zedernspan – hat unter Kennern eine lange Tradition und wird als Geste der Verbundenheit verstanden.
Wichtig: Eine einmal angerauchte Zigarre wird nicht weitergereicht, um daran zu ziehen – anders als etwa eine Pfeife in manchen Kulturen. Jede Person raucht ihre eigene Zigarre bis zum gewünschten Punkt.
Kleidung und Anlass: Wann passt eine Zigarre?
Zigarrenrauchen hat traditionell einen gewissen zeremoniellen Charakter und wird häufig mit besonderen Anlässen verbunden – nach einem guten Essen, bei einer Feier, einem Geschäftsabschluss oder einfach als bewusster Moment der Entschleunigung am Wochenende. Eine feste Kleiderordnung gibt es heute nicht mehr zwingend, dennoch wird eine Zigarre selten „nebenbei“ geraucht, sondern meist bewusst in einem entspannten, passenden Rahmen genossen – mit genug Zeit, um sie nicht zu hetzen.
No-Gos: Häufige Knigge-Fehler
- Ungefragt in fremder Umgebung rauchen, ohne vorher nachzufragen.
- Die Zigarre hastig herunterrauchen, statt sie in Ruhe zu genießen – das gilt unter Kennern als respektlos gegenüber dem Produkt.
- Rauch anderen ins Gesicht blasen oder die Zigarre demonstrativ in Richtung anderer Personen halten.
- Asche ungeduldig abklopfen, statt sie von selbst abfallen zu lassen oder sanft am Ascher abzustreifen.
- Eine fremde Zigarre kommentieren oder abwerten, etwa Marke oder Preis – Geschmack ist individuell und wird unter Kennern respektiert, nicht bewertet.
- Die Zigarre wie eine Zigarette behandeln – inhalieren, hastig ziehen oder zwischen den Fingern statt bedacht in der Hand halten.
Zigarre in Kombination mit Getränken – Etikette-Tipps
Zigarre und Getränk werden traditionell aufeinander abgestimmt genossen, nicht hastig durcheinander konsumiert. Ein Schluck sollte nach dem Zug folgen, nie gleichzeitig im Mund gemischt werden, um beide Aromen einzeln wahrnehmen zu können. Wer sich unsicher ist, welches Getränk zur eigenen Zigarre passt, findet Anregungen in den Artikeln zu Zigarre und Whisky sowie Zigarre und Rum.
FAQ: Zigarren-Knigge
Darf ich am Arbeitsplatz eine Zigarre rauchen?
In der Regel nein – es gelten dieselben gesetzlichen Nichtraucherschutz-Regelungen wie für Zigaretten, sofern der Arbeitgeber keine ausdrückliche Ausnahme vorsieht.
Muss ich bei einer Feier meine eigene Zigarre mitbringen?
Nicht zwingend, aber es gilt als höflich, zumindest anzufragen oder eine eigene kleine Auswahl anzubieten, falls man selbst mehrere mitbringt.
Wie lange sollte man sich Zeit für eine Zigarre nehmen?
So viel Zeit wie die jeweilige Rauchdauer erfordert – meist 30 bis 90 Minuten, je nach Format. Eine Zigarre „nebenbei“ in Eile zu rauchen widerspricht dem eigentlichen Genussgedanken.
Ist es unhöflich, den Rauch abzulehnen, wenn jemand eine Zigarre anbietet?
Nein, ein höfliches „Nein, danke“ wird unter Kennern selbstverständlich akzeptiert – niemand muss aus Höflichkeit mitrauchen.
Wie entsorgt man den Zigarrenstummel richtig?
Im Ascher ausglühen lassen, nicht ausdrücken wie eine Zigarette. Ein Zigarrenstummel erlischt von selbst, wenn er nicht mehr gezogen wird.
